Fotos: Dong-Ha Choe

THEATERBIOTOPE

Das jüngeste Projekt des Studiengangs Bühnenbild läßt in einem gemeinsamen experimentellen Theaterabend Räume sprechen und Figuren ihre assoziativen Geschichten erzählen.

Das Projekt wurde im UdK-eigenen Theater, UNI.T genannt, aufgeführt. Der von Paul Baumgarten entworfene Raum lädt dazu ein, ihn abseits der Theaterkonventionen zu bespielen. Das 6-köpfige Team, das sich aus Studierenden der Bühnenbildklasse gebildet hat, wird inhaltlich wie visuell unbekanntes Gebiet betreten, die Grenzen des Theaterraums neu vermessen, ihn aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten und als aktiven Mit- oder Gegenspieler einbeziehen.

Die Funktionsarchitektur des Theaterbaus wird zu einem Gebilde umgedeutet, das in der Lage ist, seinen eigenen Charakter zu artikulieren und die Gabe besitzt, seine Haltung in Handlung und Spiel umzusetzen.

Was wäre, wenn sein Eigenleben – wie in der Vorstellung einer Studierenden – gar im Familiendrama mündete? „Es gibt sie: die störrischen Esel… die flotten Feger … die starken Muskelprotze… Und auch die träge Masse. Und dann gibt es noch diesen Raum, der als ‚Theaterinstrument von verblüffender Vielfalt‘ gehypt wird. Ist dieser Theatersaal ein Musterknabe oder doch eher das schwarze Schaf der Familie?“

All seine Besucher, die sich zufällig einfinden und begegnen, bleiben, anders als die Schauspieler, deren selbstverständlicher Heimplatz die Bühne ist, Fremde.

Das Thema des Projekts schälte sich nach einer ganzen Reihe von Gesprächen heraus. Angeregt durch Texte von Donna Haraway, Jorge Luis Borges und Franz Kafka hat sich die Gruppe mit dem ambivalenten Verhältnis von Mensch, Natur, Tier und Technik und den daraus resultierenden Ängsten beschäftigt. In der Dämmerung des Anthropozäns – also demjenigen Zeitalter, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren der biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse der Erde geworden ist – scheint der Mensch der Notwendigkeit seiner Existenz beraubt. Mit „Biotope" erzählen wir Geschichten, die vom Menschen handeln, die ihn aber in seiner vollkommenen Abhängigkeit vom Zustand der Welt zeigen.

Die Spekulationen über das Erwachen der Räume zu menschlicher Wahrnehmung und Persönlichkeit, beruht auf dem uralten Fabelsystem, in dem Tiere stellvertretend für Menschen deren Konflikte austragen.

 

Premiere und Aufführungen am 15. & 16. Januar 2019, jeweils um 17h und 20h30 im UNI.T

Von und mit: Anneke Frank, Charlotta Hench, Louise Pons, Mirjam Schaal, Helene Scheithe und Alexandra Vasilieva

Sowie Hartmut Meyer, Jens Schmidl, Jakob Niedermeier, Sangwha Park und

Saskia Mommertz, Jana Haberkern, Iris Christidi, Tatjana Reeh, Iven Fenker, Vanda Hehr, Dorothea Zwetkow, Khalil Riahi, Marion Alessandra Becker, Nip Man Teng, Wieland Lemke, Alissa Artjuchin, Susanna Rydz, Lucjian Busch, Katri Saloniemi, Olivia Schrøder, Louis Caspar Schmitt, Seongji Jang, Yazan Melhem, Nikolaj Gerstenfeldt, Hanna Kovács, Paula Meuthen, Madalena Wallenstein, Kamila Suwalski, Erhard Schwalbe, Jara Nassar, Paula Breuer, Celine Meral, Aybüke Kara, Sara Ubukata

SCHLEIM, KEIM UND EIER — DIE ENTWÜRFE

Mit freundlicher Unterstützung durch den Deutschen Bühnenverein, KKWV, der Fachschaft Darstellende Künste und der Frauenförderung der UdK Berlin.